2009/07/03

weekendbreaks IX

Freunde, heute House.

DJ Jus-Ed - Minimal Groove (Da Shit Vibe Mix) (2009)
[Jus-Ed|Underground Quality|BUY__House Goodies Vol. 3]

Bobby Konders - The Poem (1990)
[Bobby Konders|Desire|BUY__The Poem]

Rick Wade - Focus (2008)
[Rick Wade|Yore|BUY__The Good, the Bad and the Deep]

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kunstsinnig die moral verdoppelt

Freunde, wenn euch die Debatte interessiert, dann lest doch bitte diesen feingeistigen Artikel von Don Alphonso.

Eine Replik auf das durchaus gefährliche Enteignungsgejammer des armen Burda.
Gefährlich dann, wenn Politiker meinen, daraus Schlüsse zu ziehen oder Gesetze zu schmieden.

Zum selben Thema, gleichsam lesenswert: Anja Seeliger beim Perlentaucher.

2009/07/02

freude am tanzen II

syn·es·the·sia syn·aes·the·sia (sĭn'ĭs-thē'zhə) n. A condition in which one type of stimulation evokes the sensation of another, as when the hearing of a sound produces the visualization of a color. A sensation felt in one part of the body as a result of stimulus applied to another, as in referred pain. The description of one kind of sense impression by using words that normally describe another.

Freunde, ein Hinweis:

Die Jungs und Mädels aus Jena Paradise haben jetzt auch einen klasse Podcast. Und Itunes liefert dabei gar eine Diashow-Tracklist.

Freude am Hören.

P.S.: Dem Video bleibt das unbenommen. Es steht für sich.

allet via kompakt blog

2009/07/01

plakat & kunst


via spex

2009/06/29

videosongsmusic



(1) Die Jungs von Plaid mal wieder (166mhz likes: Not For Threes & Trainer). Soundtrack zu einer japanischen Verfilmung des deutschen Langweilers Knocking On Heaven's Door. In Gänze eher mau, dieser Track ist aber super (Videosound leider lowQ). Ich hab ihn mir drüben bei den Jungs von Warp besorgt, Kampfpreis!

(2) Auch hörenswert sind Subway und ihr raumexpandierendes Krautrockelektrik-Album Subway II, erschienen und für Geld hinterlegt bei Soul Jazz Records.

Subway - Xam
(via 20jazzfunkgreats)

(3) Das Moritz von Oswald Trio (166mhz loves: Rhythm & Sound) hat mit Vertical Ascent auf Honest Jon's Records ein - natürlich - atemberaubend gutes Debüt veröffentlicht. Ich versuche zwar noch das passende environment für diese Soundschichten zu eruieren. Dennoch gilt: Kaufen oder sterben.

(4) Lawrence hat einen famosen Mix für Resident Advisor angefertigt. Download.

2009/06/27

samstagabendwasgeht?

Klub Grau

[edit, 3:55h]
Freunde, ich bin nun wirklich elektrik-, techno- und housebegeistert. Vor allem in den Spielarten, die auch mal einen Melodiebogen spannen oder Vocalsamplefetzen zulassen. Das muss vorweg gesagt werden.
Nun hat Münster - man glaubt es kaum - seit geraumer Zeit einen technisch großartig ausgestatteten Club: Sound unheimlich toll und ausdifferenziert und fett, Lichtgefunkel wirklich groß (ein wenig Watergate, nur vertikal an die Wand geklatscht). Grey heißt der Club und schöne Wände und Toiletten hat er auch noch und er wird netterweise von zwei Brüdern, die genug Geld haben, hoch subventioniert, so dass man zu einem DJ-Set von André Lodemann wandert (regelmäßig Gast in Weekend, Cookies, Tape, Watergate u.a.) und kein Geld dafür bezahlt.
Man müsste nun meinen, dass alle Leute in Münster, die ein wenig ohne musikalische Scheuklappen durch die Gegend laufen, da hingehen, der Sache eine Chance geben und feiern und tanzen und sich über soviel überregional bekannte Musik und großartige Künstler für die Provinz für lau und für billig freuen.
Irgendwie ist das aber nicht so (aus der Perspektive des heutigen Abends betrachtet). Da sind dann 30 Menschen, die Party machen und den DJ juckt der mangelnde Response anscheinend und netterweise auch nicht.
Dennoch ist das ein Trauerspiel. Denn entweder vertraut man auf die Subventionslust der reichen Brüder oder man sagt: Münster, die Menschen, die da wohnen, wollen sowas nicht. Das gehört nach Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, München - hier in der Provinz, da mag man lieber Indieschlager, das ist Mainstream, damit verdient man Geld, Please Please Please (come back to me).

2009/06/26

weekendbreaks VIII

Freunde, weil dieses Wochenende im Hause 166mhz voraussichtlich wieder einmal nicht getanzt wird, gibt es hier a little bit of ambient (ambient-Perlen, mal sagen):

Brian Eno - 1/1 (1978)
[Brian Eno|EG/Polydor|BUY__Music For Airports]

Aphex Twin - Cliffs (1994)
[Aphex Twin|Warp|BUY__Selected Ambient Works II]

Squarepusher - Tommib (2001)
[Squarepusher|Warp|BUY__Go Plastic]

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herzvinyl



Mayer Hawthorne

via

vielleicht ist er nur nach hause geflogen

2009/06/25

zynismus mit sloterdijk & enteignungsrichtungswechsel

Freunde, der Kollege Sloterdijk hat vor ein paar Wochen in der FAZ über Wirtschaft als Kleptokratie geschrieben und eine umfassende Kritik am Steuerstaat verfasst.

Sloterdijk zeichnet ein historisches Bild von den Anfängen ökonomischer Verhältnisse bis zum modernen Wohlfahrtsstaat und erzählt dies als eine Geschichte des Diebstahls. Am Anfang waren die ersten (willkürlichen) Nehmer die Unternehmer, die sich ein Stück Land nahmen und es einzäunten, heute sei der größte Nehmer der moderne Steuerstaat. Die soziale Marktwirtschaft deutscher Prägung, so Sloterdijk, sei nichts anderes als massenmedial animierter, steuerstaatlich zugreifender Semi-Sozialismus. Die Unproduktiven lebten auf Kosten der Produktiven - im Sinne kollektiven Handelns: Die ehrenwerten Fair-Player hier, die bösen Free-Rider dort. Sloterdijk meint, die Versuchung der Produktiven sich dem kollektiven - manch böse Zunge würde "solidarischen" dazu sagen - Handeln zu entziehen und so eine Desolidarisierung (wie sie z.B. die INSM vorschlägt) voranzutreiben, sei die zentrale Herausforderung unserer Zeit, die der linken These von der Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital längst den Rang abgelaufen habe. Der neuerlich durch die Gleichzeitigkeit allerlei konjunktureller Krisen Überhand gewinnende Keynesianimus sei Staatsgift, das wieder einmal dazu führe, dass die Schuldner ihre Gläubiger enteignen. Deswegen sei die Verhinderung der Ausplünderung der Zukunft durch die Gegenwart so wichtig.

Der schlimmen Plünderung durch den bürokratischen Steuerstaat könne nur eine einzige Macht Widerstand leisten: Die Revolution der gebenden Hand unter der Bedingung einer sozialpsychologischen Neuerfindung der "Gesellschaft". Sloterdijk schafft in seiner leicht beschwippsten, zynischen Utopie kurzerhand die Zwangssteuern ab und wünscht sich deren Umwandlung in Geschenke an die Allgemeinheit. Im ewigen Widerstreit zwischen Gier und Stolz müsse dann einfach mal der Stolz gewinnen.

Exkurs:
In Sloterdijks Diagnose liegt zunächst einmal eine interessante Erkenntnis. Nämlich die, dass "Soziale Marktwirtschaft" wie sie hierzulande in unterschiedlichen normativen Varianten geheiligt und gepredigt wird, sozialistisch-marxistische Elemente aufweist. Wenn man (Staats-)sozialismus/-marxismus grob vereinfacht und historisch nicht authentisch auf zwei Elemente reduzieren möchte, so kann man die Abschaffung des Privateigentums (der privaten Produktionsmittel) und somit die Schaffung eines möglichst hohen Maßes an Gleichheit (moderner: durch Einkommensumverteilung ex post z.B.) nennen. Insbesondere letzteres ist oder war auch Zielsetzung sozialer Markwirtschaft im Sinne Alfred Müller-Armacks:
"Gegenüber sozialpolitischen Eingriffen, die die Preisbildung selbst berühren, scheint es richtiger zu sein, einen direkten Einkommensausgleich zwischen hohen und niedrigen Einkommen durch eine unmittelbare Einkommensumleitung vorzunehmen." (Soziale Marktwirtschaft. 1946. S. 132)
Wir halten also fest:
Wenn die Damen und Herren von den Christdemokraten vor dem Kommunismus warnen, weil sich die Sozialdemokraten den "Demokratischen Sozialismus" auf die Fahnen schreiben, dann leugnen sie die sozialistischen Wurzeln der von ihnen favorisierten Wirtschaftsform.

Zur Kritik an Sloterdijk:
In meinen Augen ist der Text Elfenbeinturm-Quark für Menschen, die ein Haus am Starnberger-See, die FAZ im Abo, ein Einkommen über 250.000 Euro haben und panische Angst davor, dass ihnen der Staat demnächst noch mehr wegnimmt, um es dem immer faulen ALG-II-Empfänger zu überweisen, der natürlich - wie soll es anders sein - individuell für seine Misere verantwortlich ist.

Ich versuche mir auch die Situation, die Motivation, vorzustellen, dass/damit die "Produktiven" ihren Stolz entdecken, Revolution machen, die Zwangssteuern abschaffen und zukünftig dann "Geschenke an die Allgemeinheit", ergo: die Unproduktiven, verteilen und so zur heiligen gebenden Hand werden. Der Staat macht dann wieder Nachtwächter? Gute Nacht, Herr Sloterdijk!
Vielleicht muss man den Text aber einfach als zynische Gute-Nacht-Geschichte lesen und nicht als politischen Appell.

Der Kontext:
Ich musste über Sloterdijks verquere Gedanken schreiben, weil sie so gut zu dem passen, was politisch momentan diskutiert wird. Da geht es nämlich auch um Schulden und um Umverteilung:

Grüne/Linke wollen eine Vermögensabgabe (in unterschiedlicher Höhe, um Krisenschäden zu reparieren) wie sie die CDU einmal nach dem Krieg durchgesetzt hat (um Kriegsschäden zu reparieren). Es sollen also diejenigen zur Kasse gebeten werden, die in den vergangenen Kapitalmarktboomzeiten ordentlich abgeräumt haben. Wir erinnern uns: die Lohnquote ist seit Jahrzehnten rückläufig, während die lohnenswerten Einkommen aus Kapital und Vermögen (meist unabhängig von "Leistung", tztztz!) einfach stiegen. Es gibt ein paar verrückte Reiche ("Produktive"), die sich deswegen fast schämen, der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen und ebenso eine Vermögensabgabe fordern - Sloterdijk wäre ratlos über soviel Lust am Diebstahl am eigenen Geld.

Die SPD möchte ein bißchen den Spitzensteuersatz erhöhen. Von der Vermögensabgabe wollen die Entscheider bei den Sozialdemokraten nichts wissen, weil dann wieder die Kommunismus-Attacken von rechts kommen.

Die CDU. Da wird's schon schwieriger. Momentan will man die Steuern senken (den Diebstahl einschränken) und das System einfacher (den Diebstahl transparenter) machen. Mehr Nutto vom Tutto oder so. Man weiß nur nicht genau, wann. Das soll davon abhängen, wann die Konjunktur wieder anspringt (falls sie denn anspringt), damit man Geld dafür hat (Steuersenkungen kosten den Fiskus kurzfristig Geld). Steuersenkungen auf Pump gibt's mit der CDU nämlich nicht, wegen mir: Ich bin die Zukunft und dessen Generation, die man bitte nicht ausplündert. (Ich habe da kaum Hoffnung und was Plünderung [natürlicher Ressourcen] und deren Konsequenzen angeht, habe ich mir bereits ein Gummiboot gekauft. Soviel Zuversicht ist da).
Nun gibt es in der CDU bereits Überlegungen, wie man die Steuersenkungen bezahlt bzw. den Haushaltskahn aus der Scheiße zieht. Man kann diese Überlegungen immer schon im Vorhinein an den Äußerungen von DIW-Chef Zimmermann ablesen. Der sagt laut, was die konservativ-liberale Elite noch denkt. Jedenfalls ist das Denken jetzt vorbei und die ordnungspolitisch korrekt eingestellten Jungs aus Bade-Wüttebersch legen vor. Mehrwertsteuer rauf, sagt der Oettinger.
Und das finde ich bezeichnend: Wenn es um Banken und um Vermögensabgaben und Spitzensteuersätze geht, dann schreit der wirtschaftsliberale CDU-Flügel regelmäßig und schnell: ENTEIGNUNG (Diebstahl)!
Dass man mit drastischen Mehrwertsteuererhöhungen ggf. Menschen mit Mini-Einkommen, ALG-II-Empfänger, alleinerziehende Mütter faktisch enteignet: Diesen Gedankengang scheint man nicht gehen zu können oder zu wollen.

Schlusslicht FDP.
Die Liberalen denken sich: Schulden hin oder her. Wir machen seit Jahrzehnten 1-Thema-Wahlkämpfe, was sollen wir dieses Jahr also anders machen? Die Klientel im Auge, ruft man unbeirrt: Steuern runter! Die faszinierende Logik der Liberalen: Niedrige Steuern, steigende Investitionen, mehr Arbeitsplätze, weniger Sozialausgaben, mehr privater Konsum, in der Folge: natürlich höhere Steuereinnahmen. Ein wunderschöner Automatismus! Ganz im Sinne Sloterdijks müsste die FDP als Leistungspartei der produktiven Elite also konsequenterweise die Abschaffung aller Zwangssteuern fordern, hin zu mehr Geschenken aus stolzer, gebender Hand:

Die Gesellschaft wäre reich!

P.S.: Michael Jackson ist tot.

filesharing, kulturvielfalt und industrietod

Freunde, ich weiß nicht, ob ihr's schon wisst, aber: Die Popkomm wurde abgesagt. Sie stirbt den Filesharing-Tod.
Zumindest ist das die Diagnose von Dieter Gorny, Chef des Bundesverbandes Musikindustrie:
"Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls [sic!] im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen."
Einige Kommentatoren, die man zu diesem angekündigten Nicht-Ereignis lesen kann, finden Gornys Argumentation fadenscheinig, die Popkomm sei eh schon lange tot gewesen und filesharing habe damit wenig zu tun. Zu lesen unter anderem hier und hier.

Interessant in diesem Zusammenhang ist eine jüngst erschienene Studie der Harvard Business School, die einen kausalen Zusammenhang zwischen filesharing-Praxis und Musik-Verkäufen nicht feststellen kann (Herr Gorny stellt diesen in jeder seiner Äußerungen mehrfach fest).
Die Studie stellt darüber hinaus die Frage, ob sich für die Kulturproduktion Anreizverluste aus der filesharing-Praxis ergeben und verneint vorsichtig. Die Zahl von Musikproduktionen habe sich seit 2000 schließlich nahezu verdoppelt.

Das differenzierte Fazit der Wissenschaftler:
File-sharing technology considerably weakened copyright protection, first of music and software and increasingly of movies, games, and books. The policy discussion surrounding file sharing has largely focused on the legality of the new technology and the question whether or not declining sales in music are due to file sharing. While these are important questions, in our view, the debate has been overly narrow. Copyright exists to encourage innovation and the creation of new works; in other words to promote social welfare. The question to ask is thus whether the new technology has undermined the incentives to create, market, and distribute entertainment. Sales displacement is a necessary but not a sufficient condition for harm to occur. We also need to know whether income from complementary products offset the decline in income from copyrighted works. And even if income fell, welfare may not suffer if artists do not respond to weaker monetary incentives.

As our survey indicates, the empirical evidence on sales displacement is mixed.
While some studies find evidence of a substitution effect, other findings, in particular the papers using actual file-sharing data, suggest that piracy and music sales are largely unrelated. In contrast, there is clear evidence that income from complements has risen in recent years. For example, concert sales have increased more than music sales have fallen. Similarly, a fraction of consumer electronics purchases and internet-related expenditures are due to file sharing. Unfortunately, we know little about the distribution of these impacts. How markets for complimentary goods have responded to file sharing remains an area of inquiry that is largely unexplored in academic research.

The same holds true for the question how artists would respond to weaker monetary incentives. Looking at aggregate output – the number of recordings, books, and movies produced every year – we see no evidence that file sharing has discouraged the production of artistic works. However, as with income from complementary goods, aggregate statistics need to be interpreted with some care. For example, digital formats not only encouraged file sharing; digital technology also lowered the cost of producing movies and music and they allowed artists to reach their audience in novel ways. The observed increase in output is in part due to these changes. The response of artists to technology-induced changes in income is a second area that we would like to single out as important for future research.

As this essay has made clear, we do not yet have a full understanding of the mechanisms by which file sharing may have altered the incentives to produce entertainment. However, in the industry with the largest purported impact – music – consumer access to recordings has vastly improved since the advent of file haring. Since 2000, the number of recordings produced has more than doubled. In our view, this makes it difficult to argue that weaker copyright protection has had a negative impact on artists’ incentives to be creative.
Studie "Filesharing & Copyright" (PDF, 46 Seiten)

via telemedicus

2009/06/22

three strikes revisited

Freunde, eine kleine Information im Hinblick auf die Wahlentscheidung im September:

Die Damen und Herren von der CDU sprechen sich in ihrem Wahlprogramm einem vorläufigen Entwurf des Wahlprogramms (das noch beschlossen werden muss und natürlich auch geändert werden kann) für die nachhaltige Sperrung von Internetzugängen nach mehrfachen illegalen Downloads aus. Vorbild ist das "Three-Strikes"-Gesetz des Herren Sarkozy.
Offenbar wenig interessiert die Christdemokraten, dass das Gesetz bereits vom französischen Verfassungsgericht für rechtswidrig erklärt wurde.

Was soll das uns vorurteilsfreien Wählern nun sagen?

Der einzig zulässige Schluss:
Internetkompetenz sowie Wissen um die verfassungsrechtlichen Grundlagen der Bundesrepublik müssen wir bei anderen Parteien vermuten.
Denn auch ohne Jura-Staatsexamen könnte man um das Prinzip der Verhältnismäßigkeit wissen.

ZEIT-Online geht gar soweit und sieht die CDU gänzlich ahnunglos im Netz.

[edit] Die CDU hat kalte Füße bekommen und den Passus aus dem Programm gestrichen. Man möchte nunmehr Rechtsverletzungen [...] effektiv unterbinden.

freude am tanzen 042

Freunde, wunderbares Release straight from Jena Paradise. Wenn ick da listene, bekomme ich optimistische Kribbelei, die ausgelaufen oder getanzt werden will. Perfekte Joggingmusik für den Sommer. Oder für lustige Kitchenparties zum Schnaps verschütten.

In diesem Zusammenhang muss ich auch nochmal die neue Kompakt-Seite loben - eine tollere, schickere, ironischer analog anmutende, hq-full-track-length pre-listening-Funktion hab' ich bislang nirgends anders zu sehen bzw. hören bekommen.



P.S.: 166mhz favorisiert die hier nicht zu hörende B-Seite.

2009/06/21

us vs. them: die hysterische projektion des endes der freien information

Freunde, momentan heult und kreischt die Blogosphäre in Sachen Ursula erschwert den Zugang.

Das Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten in Kommunikationsnetzen, kurz: ZugErschwG, wurde am Donnerstag vom Bundestag verabschiedet, und die Damen und Herren (Netzpolitik-)Blogger sehen Abendland untergehen, ein chinesisches Informationzeitalter in Deutschland anbrechen und halten nunmehr alle etablierten Parteien für unwählbar (drölf Grüne hatten sich enthalten!). Heil den Piraten!

Was war geschehen?
Ursula-7-Kinder-BMFSFJ-Vorsitzende hatte Ende 2008 auf einer Konferenz in Südamerika gemerkt, dass Kinderpornographie passiert und achtenswert ist. Schneller, ja gut gemeinter Schuss: Wir sperren den Dreck einfach aus und machen den Missbrauch für den Stammtisch unsichtbar! Ging natürlich nach hinten los der Schuss. Denn ebenso schnell war klar, dass das nicht wirkt (neue DNS-Server-Settings in unter 30s) und somit fadenscheinig ist und potenziel zum gefährlichen Instrument werden könnte.

Die Kritiker fürchteten zurecht die vorgesehene Omnipotenz des unkontrollierten BKAs als einzigem Verwalter in Sachen Geheimliste und auch die geplante Verwendung der anfallenden Zugriffsdaten auf vermeintliche, jetzt gestoppte KiPo-Seiten zu Strafverfolgungszwecken.

Die Mobilisierung war groß, es gab eine E-Petition mit fast 140.000 Zeichnern und auch die etablierten Medien nahmen sich der Sache an.
Die Parteien in Berlin sahen sich aufgrund ihrer öffentlich zum Altar getragenen Internetinkompetenz peinlich berührt und hatten in der Folge berechtigte Angst, die wahlberechtigte Generation Internet zu verprellen.

Wie schön:
Man reagierte. Anstatt komischer Verträge oder neuerlichen Verwurstungen im Telemediengesetz strickten die zuständigen Kreise ein Spezialgesetz mit lustigem Namen und heißer Nadel.

Die Sperrungen sind nun nur noch flankierende Maße, im Sinne der Subsidiarität gilt erstmal Löschen vor Sperren (Bravo! Bravo!) und eine Ausweitung der DNS-Sperren auf andere schlimme Bereiche (Urheberrecht, Glücksspiel, Politextremismus, Frau Schavans gewaltätige Gewaltseiten) schließt man explizit aus, wohl wissend, dass man ggf. immer neue Gesetze machen kann. Darüber hinaus ist die Maßnahme befristet und man will reichlich evaluieren, wenn der Spuk vorbei bzw. die Frist abgelaufen ist. Daten werden nun nicht mehr erhoben, also keine Strafverfolgung wegen verrückter Link Prefetcher in obskuren Open Source Browsern (Bravo, Bravo!). Zudem soll das BKA eine mächtige Kontrollinstanz an die Seite gestellt werden: Angesiedelt beim Bundesdatenschutzbeauftragten, der davon leider gar nichts hält und sich auch irgendwie nicht zuständig sieht, wird ein Expertengremium mit zum Richteramt befähigten Juriprudenzlern pro Quartal stichprobenartig schauen, was die Geheimzensoren in Wiesbaden da so treiben.

Die Community (das sagen die MdBs und Innen immer, wenn sie die politische Masse im Internet meinen) lässt das kalt: China, China, China!
Der Online-Beirat der SPD inkl. des illustren Lobos schmeißt hin, die Piratenpartei schießt sich ins Knie und empfängt unschuldsvermutend und strategisch blind den zweifelhaften Netzexperten Tauss, der kinderpornographisches Material in seiner Wohnung hatte liegen lassen - zu Recherchezwecken wie er selbst behauptet. Verfahren läuft.

Ich sage, Freunde:
Ruhig, netzneutralitätsliebendes Blut! Diese sich selbst verlinkende, ins Unheimliche wachsende Aufregungswelle ist von nicht netzaffinen Menschen kaum noch nachzuvollziehen und wirkt in meinen Augen in einzelnen Zügen lächerlich, ja allzu verschwörungstheoretisch. Darüber hinaus ist sie reichlich selektiv in der allgemeinen Problemwahrnehmung. In den Argen und Job-Centern dieser Republik herrscht täglich sanktionsbewehrter Kontrahierungszwang - wieso regt ihr euch da eigentlich nicht mit gleicher Verve darüber auf? Ist ja real life, klar.

Unser Internet, die heilige Kuh und ihr unantastbarer Euter.

Ich sage auch: Wir haben, Freunde, bravo! bravo!, ein BVerfG. Die werden dann mal schauen, woher der Bund da seinen Anspruch auf Gesetzgebungskompetenz nimmt. Ob das nicht evtl. unverhältnismäßig ist. Ob das nicht evtl. zu gewaltenumverteilend ist und ein paar zum Richteramt befähigte Gremiummitglieder der rechtsstaatlichen Kontrolle genug sind. Ob das Gesetz nicht auch, hihi, an einem Verfahrensmangel scheitert. etc. pp.

Und es wird niemand aus Versehen klickend strafverfolgt. Und wenn indymedia.org oder netzpolitik.org oder piratebay.org gesperrt werden - dann wird man das schon merken und im Zweifelsfall kann man dann immer noch den Bundestag belagern und sich Art. 20 Abs. 4 GG auf's T-Shirt drucken und Randale schieben.

Bis es soweit kommt, Freunde, regt euch doch mal, zumindest in Teilzeit!, über andere Sachen auf.

Foto via moeffju

2009/06/19

weekendbreaks VII

Freunde, nur für euch.
Mein Wochenende ist nämlich keines. Werktägliche Nachspielzeit und so. Jedenfalls: ein Klassiker, zwei hotte Neuerscheinungen.

Paperclip People - Remake Uno (1994)
[Carl Craig|Dance Street|Throw/Remake Uno]

Steve Rachmad - Rond (2009)
[Steve Rachmad|Delsin|BUY__Delsin II]

Manuel Tur - Rubicond (2009)
[Manuel Tur|Freerange|BUY_0201]

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i have the internet


nerdcore/via delphinehauen

2009/06/18

your increasingly long embraces



[via flashfonic]

Außerdem neu: die Spex hat schön relaunched.

2009/06/17

reiche eltern für alle

Freunde, dank eines sachdienlichen Hinweises unserer lieben Leuchtturmministerin Schavan weiß ich:

Heute war ich von gestern.

Zeitreisen leicht gemacht mit Annette.
Interessant auch: Für Theologie sind sechs Semester zu wenig. Soso.

2009/06/16

die verrückten rechteinhaber II

Freunde, es geht weiter mit der Verrücktheit der Rechteinhaber.

Jetzt hauen die wunderbaren Fanfarlo ihr neues Album Reservoir plus 4 Bonus-Tracks für 1 läppischen Dollar raus. Noch bis zum 4. Juli geht der Wahnsinn.

Dank an Christian für den Tipp.

art showing off




Freunde, hier kann man sich das flickr-pool zu Banksy Versus Bristol Museum ansehen.

Lesen kann man dazu auch ein Interview.

166mhz loves: dj sprinkles

Freunde, mein Elektrik-Album des Jahres. Perfekt. Ohne weitere Adjektive.


Der Glaube an pure Informationen unter bewusster Ausblendung materieller Bedingungen hat etwas Religiöses.

2009/06/15

don't do drugs - it could make you happier

Freunde, momentan wird ja so einiges unternommen, um die Deutschen und deren Kinder vor dem schlimmen Rausch zu bewahren.

Es war in letzter Zeit häufiger vorgekommen, dass der Junge von nebenan hemmunglos dem Alkohol anheim und in der Konsequenz gar in ein Krankenhausbett fiel. Komasaufen ist das Stichwort, Armdrücken war gestern. Picheln um die Wette, Schnaps um Schnaps bis die Peristaltik sich umkehrt oder manuell ein Schlauch eingeführt werden muss. Saufen in der Gruppe, ob nun Koma oder kurz davor: eine Antwort junger Menschen auf die vielen neuen Möglichkeiten im globalisierten Deutschland. Das Prinzip Wettbewerb wird auf alle Bereiche des Lebens übertragen. Ganz schön konsequent die neue Jugend. Die Mittel zum Zweck sind vergleichsweise billig und überall verfügbar. Manch ein Tankstellenwart (befindet sich ebenfalls im harten Wettbewerb) ist dem moralischen Risiko derart ungeschützt ausgeliefert, dass er den Sprit gleich zweimal verkauft und dann auch noch an unberechtigte Personen.

Geraucht wird im Übrigen auch immer noch. Was erlauben die Raucher? Dass die enthumanisierte Krebszone als gelb umrandetes Todesrechteck am örtlichen Hauptbahnhof nicht genug der lustigen Stigmatisierung ist - tztztz: Es wird einfach weiter gemacht. Ob's der Gesundheitskasse nützt oder nicht - nicht Gegenstand dieser Debatte.

Viel wichtiger, denke ich, sind scary Horrorpixel auf den Tabakschachteln, die uns erstens den You-Tube-Ban von Gunter von Hagens Live-Präparationen verteerter Lungen weniger schmerzlich vermissen lassen und zweitens der Zigarettenetui-Manufaktur neue Marktpotenziale erschließen. In England, wo die gory Todeslunge auf der Schachtel längst Alltag ist, wandern die kostbaren Tabakstengel gleich nach dem Kauf in das Etui, der langweilige Umkarton (irgendwann hat man ja alle Bilder gesehen) in den Müll.

Zurück zum Saufen:
Gerade hat die Aktionswoche gegen den jugendlichen Leichtsinn begonnen. Sie wirbt mit dem interessanten Slogan Kenn dein Limit, der - das vermute ich hier mal ganz frei - von der Bierindustrie erdacht wurde. Denn was soll das anderes sein als ein versteckter Aufruf zum Austesten der eigenen Promillegrenzen? Im Übrigen: Niemand kennt sein Limit. Ich nicht. Ihr nicht. Das hat mit Wetter, Essen, Liebe und Bewegung zu tun. Das muss man jedes Mal, immer wieder und auf's Neue: ausprobieren.
Weiter im Text: Filmriss - Kann ich mir nicht erlauben steht auf einem Aktions-Plakat. Der Rausch als Wettbewerbsnachteil. Fit für die hyperknappen Ausbildungsplätze muss sich der junge Mensch machen, das Gymnasium in weniger Jahren besser abschließen. Scheitern - kann sich der Jugendliche nicht erlauben. Wie viele Komawettbewerber den Filmriss wohl riskieren, gerade weil sie sich ihn nicht erlauben können?

Egal: Ein Ursachendiskurs wird nicht geführt.

Wenn die Jugend zuviel säuft, dann haben die Boulevard-Reporter recht, die seit Jahren mit versteckter Kamera den zügellosen Verkauf von Wodka Zaranoff an die Sandkasten-Mafia anprangern. Also muss man die Sandkasten-Mafia als Undercover-Ordnungsamt instrumentalisieren und dem bunten Treiben ein Ende machen, klar. Bierpreise erhöhen geht schließlich nicht, weil Steuern erstens Gift sind und zweitens ganze viele Menschen in der Bierindustrie arbeiten (Arbeitsplätze sind heilig und dürfen nur nach vorhergehender Überprüfung von Organisationsgrad und Konfliktpotenzial der entsprechenden Lobby vernichtet werden, Artikel 0 Grundgesetz). Und um das klar zu stellen: höhere Steuern helfen dem Fiskus, weniger gesoffen würde dann nicht. Die süße Versuchung Alkopops ist nach der Einführung einer Steuer fast gänzlich aus den Regalen verschwunden. Jetzt mischt die Jugend halt selbst: 3 Liter Energiezuckerwasser plus 1 Liter 40%-Fusel für schlanke 5 Euro.

Ach, und drittens war ja auch noch etwas. Der Deutsche, seine heilige Kultur und das Bier. Die Drei sind durch ein unsichtbares Band auf immer und in alle Ewigkeit miteinander verbunden. In der Provinz zeigt sich das am deutlichsten, wo das Bier Orte, Zeiten und Gesellschaften als ubiquitäres Betäubungsmittel durchdringt. Am Feierabend, am Wochenende, aufm Zelt, wie wir hier sagen, und wo die Jugend das erste Mal den Wettbewerb an der Flasche kennen lernt. Die Anerkennungskultur Bier & Alkohol schafft Hoffnung für eigentlich hoffnungslose junge Männer. Wenn du sonst nichts hast, versuche doch an der Flasche Erster zu werden.
An's heilige Bier, den symbolischen Stellvertreter für die tiefverwurzelte Alkohol(exzess)tradition in Deutschland, traut sich niemand ran.

Das sinnstiftende Element des Suffs, seine Vorteile, die Versuchung Rausch, seine kulturelle Verankerung, das menschliche Bedürfnis danach - Fragen danach werden auf den Seiten der Bundesbeauftragten nicht beantwortet. Ebenso bleibt die dringende Frage unbeantwortet, aus welchen gesellschaftlichen Komponenten ein sinnstiftendes Alkoholäquivalent zusammengesetzt sein muss, dass die Ethanolflucht sinnlos macht.